Ein Moment...

Zu jedem Quartal eine kurze Andacht.

„… und bitte mach Oma gesund und lass die Matheprüfung gelingen!“ Wer kennt nicht dieses oder ähnliche Gebete? Wir Erwachsenen lächeln vielleicht über die kindliche Einfalt – und beten im nächsten Moment für den beruflichen Erfolg. Also doch lieber für den Weltfrieden und den Klimawandel beten?
Paulus schreibt einem jungen Mitarbeiter und ermahnt ihn, dass die Gemeinde „tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit …“ (1. Timotheus 2,1f). Also flechte ich in meinem Gebet noch ein wenig Dank ein und denke zum Ende an die große Politik.
In der Bergpredigt spricht Jesus ausführlich über das alltägliche Leben eines Nachfolgers Christi und damit auch über das Gebet. Im Vaterunser schildert er eine persönliche, geradezu intime Begegnung zwischen Mensch und Gott. Einige Verse später (Mt 7,7) sagt er: „bittet, so wird euch gegeben“. Eine Aussicht, die für sich genommen zu den hoffnungsvollen, manchmal auch stupiden Bitten führt, wie sie anfangs genannt sind. In der Bibel ist die Begegnung zwischen Mensch und Gott etwas Heiliges – nicht ohne Grund im Dekalog geschützt. Wenn ich mich als Mensch tatsächlich auf diese Begegnung einlasse, Wesen und Motive Gottes verstehen will und dann, nach langem Hören, beginne zu reden, werde ich mit meinen Bitten vorsichtig sein, demütig. Gott „will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2,4). Selbstverständlich liebt er Oma und wünscht den Menschen Erfolg, im Großen wie im Kleinen. Aber im Gebet geht es nicht um die Erfüllung irgendwelcher Wünsche, mögen sie noch so selbstlos sein. Sondern es geht um die Begegnung mit dem Schöpfer und Erlöser dieser Welt, der dich und mich liebt. Ich wünsche dir gesegnete Begegnungen!

Andreas Wagner